Sturm, Dürre, Schädlingsbefall: Fachleute müssen schnell und detailliert wissen, wo welche Waldflächen geschädigt wurden, damit die Beräumung und aktive Wiederbewaldung zügig beginnen kann. Dafür entwickelt das Thünen-Institut für Waldökosysteme das „Fernerkundungsbasierte Nationale Erfassungssystem für Waldschäden” (FNEWs) ständig weiter.
Das System nutzt Daten des europäischen Erdbeobachtungsatelliten Sentinel 2, um deutschlandweit abgestorbene Waldflächen automatisiert zu erfassen und zu visualisieren. Das satellitengestützte Monitoring ergänzt das bestehende nationale Waldmonitoring- und Inventursystem, zu dem u.a. verschiedene direkt im Wald erhobenen Daten zählen, um jährliche, kleinflächige und ebenso großflächige Störungsgebieten im Wald. Die Ergebnisse aus FNEWs sind frei zugänglich. Karten zu Störungsflächen werden in einem Geoportal visualisiert, sind aber auch als Webdienst abrufbar. So lassen sie sich beispielsweise in gängige Geoinformationssysteme von Forstbehörden oder Drittanbietern integrieren. Vorgefertigte Statistiken z.B. für Bundesländer, Landkreise und Baumarten, aufbereitet als Diagramme ergänzen das Geoportal. Zusätzlich sind die dabei genutzten Statistiken auch über eine Open-API-Schnittstelle frei zugänglich, über die die Daten für eigene Auswertungen bezogen werden können.
Der aktuelle Stand der Auswertungen zeigt, dass in den Jahren 2018-2025 rund 712.000 ha Waldfläche in Deutschland von Störungen betroffen sind. Fichtenbestände sind mit 502.000 Hektar am stärksten betroffen, gefolgt von Kiefernbeständen mit rund 99.000 ha. Hier können auch temporäre Störungen durch Kiefergroßschädlinge wie die Kiefernbuschhornblattwespe vorkommen. Buche und Eiche sind mit 19.000 bzw. 14.000 ha weniger betroffen.
Die Informationen zu den betroffenen Baumarten stützen sich auf die Baumartenkarte von Blickensdörfer et al. (2024). In diesem Zusammenhang sind die jeweiligen Klassifikationsgenauigkeiten der genannten Baumarten zu beachten. Es zeigt sich, dass die Baumartenkarte bei weniger häufig vorkommenden Baumarten eine geringere Klassifizierungsgenauigkeit aufweist, d.h. Fehlklassifikationen sind bei diesen Baumarten wahrscheinlicher. Daraus folgt, dass bei einzelnen Baumarten (wie beispielsweise der Douglasie) Interpretationen nur eingeschränkt möglich sind.
In den Mittelgebirgslagen von Harz, Sauerland und Thüringer Wald finden sich regional Schwerpunktsgebiete mit besonders hohen Anteilen gestörter Flächen. Während bei den erstgenannten Gebieten besonders viele Störungsflächen in den Jahren 2020 und 2021 entstanden sind, ereigneten sich die meisten Störungen im Thüringer Wald in den Jahren 2022 und 2023. Hinsichtlich der Verteilung der Schäden nach Bundesländern sind Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Bayern besonders betroffen. Die Störungskarte ist im Menüpunkt Geoportal visualisiert.



